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Steigende Nachfrage kann versteckte Risiken für den Einzelhandel bergen
Die Verzerrungen in der Lieferkette, mit denen Einzelhändler derzeit zu kämpfen haben, werden nicht mit dem Ende der Coronapandemie verschwinden. Sie können sich sogar noch verschärfen – durch verzögerte Effekte in den Lieferketten, ausgelöst durch ‚Panikkäufe‘ und das massive Horten von Produkten.
In den Wochen vor den landesweiten Ausgangsbeschränkungen in ganz Europa gingen vielen Einzelhändlern die Vorräte an Grundbedarfsartikeln wie Toilettenpapier oder haltbaren Lebensmitteln aus, und viele konnten ihre Regale nicht wieder auffüllen.
Verhaltensexperten zufolge ist das Horten von Produkten, von denen wir rational wissen, dass sie nicht knapp werden – etwa Toilettenpapier –, nichts anderes als ein psychologischer Mechanismus, mit dem sich Verbraucher sicher und handlungsfähig fühlen, weil sie das Risiko ausschalten, dass ihnen ein Produkt ausgeht.
Supply-Chain-Experten prognostizieren, dass dieses Verhalten, das kurzfristig zu einer hohen Nachfrage führt, die Lieferkette vieler Produkte noch über Monate beeinflussen wird – weit über die Coronakrise hinaus. Schließlich werden Verbraucher während der Krise nicht mehr dieser Waren verbrauchen; sie werden sie also kurzfristig nicht kaufen, was zu einem Nachfragerückgang führt.

„Es gibt keine Anzeichen dafür, dass die Versorgung mit diesen Produkten kurzfristig gestört sein wird. Ebenso wenig wird der Verbrauch von Toilettenpapier durch Coronasymptome steigen. Auf die daraus resultierende Bevorratung wird daher ein Rückgang der Nachfrage folgen.“
Robert Boute, Professor Supply Chain Management Vlerick Business School and KU Leuven
Je weiter man sich vom Point of Sale entfernt, desto mehr verlieren Supply-Chain-Manager den Blick auf das tatsächliche Verbraucherverhalten und reagieren auf Nachfrageänderungen mit Bestandsschwankungen. Die Bedarfsprognose kann den Bedarf der Kunden verstärken und entlang der Lieferkette mehr Bestellungen auslösen, als tatsächlich nötig wären, um die Nachfrage zu decken. Dieses Phänomen ist als ‚Bullwhip-Effekt‘ (Peitscheneffekt) bekannt, da die Störung der Nachfrage zunimmt, je weiter man in der Lieferkette stromaufwärts geht.
Mittelfristig werden wir eine unberechenbare Nachfrage erleben, sagt Robert Boute. Verschärft wird dies durch die Engpässe in der Lieferkette, mit denen viele Unternehmen aufgrund nationaler Lockdowns konfrontiert sind. Wenn Unternehmen einen Mangel an Material vorhersehen, neigen sie dazu, die Nachfrage danach künstlich zu erhöhen. Zusammen mit den staatlich verordneten Produktionskürzungen, die wir beobachten, führt dies erneut zu einer Verzerrung der Nachfragemuster und zu einer Eskalation des ‚Bullwhip-Effekts‘. Die langfristigen Folgen können verheerend sein.
„Die Verzerrung des Nachfragemusters verstärkt sich, je weiter man in der Lieferkette stromaufwärts bis zu den Endlieferanten geht. Diese werden in den kommenden Monaten mit einer äußerst unberechenbaren Nachfrage konfrontiert sein.“ – Robert Boute, Professor Supply Chain Management Vlerick Business School and KU Leuven
Wie sollten Einzelhändler auf eine unausgewogene Nachfrage reagieren? Auch wenn der Bullwhip-Effekt jedem Supply Manager seit Langem bekannt ist, ist es nahezu unmöglich, das Massenverhalten der Verbraucher zu steuern und Hamsterkäufe zu verhindern, bevor es zu spät ist. Die Lösung, um mit dem Effekt und der Verzerrung umzugehen: Steuern Sie Ihre Lieferkette und Ihre Bedarfsprognose sorgfältig. Moderne Systeme für Supply Management, Lagerhaltung und Lieferoptimierung liefern Erkenntnisse und wertvolle Analysen, um Engpässe in der Nachfrage zu erkennen. So können Einzelhändler Bestellvolumen schnell umleiten und die Auswirkungen von Hamsterkäufen minimieren. In einer so außergewöhnlichen Zeit wie dieser ist es nicht leicht, den Überblick über Verbrauchernachfrage, Kaufverhalten und Marktentwicklung zu behalten – aber es ist unerlässlich, um den Rahmen an den tatsächlichen Bedarf des Marktes anzupassen.