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Das Coronavirus und der europäische Einzelhandel

Noch vor wenigen Monaten liefen der Welthandel und die Lieferketten auf Hochtouren – wie die gut geölten Maschinen, für die wir sie hielten. Die Unternehmen machten weiter wie gewohnt und planten ihr Wachstum für 2020. Die Nachrichten aus China über den Ausbruch eines neuartigen Coronavirus (COVID-19) schienen weit weg und für Unternehmen in Europa und den USA nicht besorgniserregend – obwohl einige von ihnen bereits Störungen in ihrer Lieferkette und Engpässe bei manchen Produkten bemerkten.
Heute, da ein Drittel der Weltbevölkerung im Lockdown lebt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, kämpfen viele genau dieser Unternehmen (buchstäblich) ums Überleben und fragen sich, was die Zukunft bringt.

Ein Röntgenbild des europäischen Einzelhandels und E-Commerce

Die Zukunft urbaner Lieferungen vorherzusagen ist keine leichte Aufgabe, vor allem wenn Regierungen und Unternehmen mit der Gegenwart alle Hände voll zu tun haben. In den letzten Wochen habe ich die Nachrichten darüber verfolgt, wie sich die Lage im Einzelhandel und in der Logistik der letzten Meile entwickelt und welche Auswirkungen das Coronavirus hat. Außerdem habe ich an zwei Webinaren teilgenommen: an einer Session zu Logistik und Transport in Zeiten von COVID-19 der AECOC (spanischer Verband für Handelscodierung) und an einer Masterclass zum Thema „Unlocking Value in Supermarkets and Food Retail“ von Tech Data. Ich muss sagen, dass die meisten Analysen recht positiv ausfallen und sich einig sind, dass Unternehmen schon heute viele Maßnahmen ergreifen können.

In Europa hat die Europäische Kommission die Regierungen aufgefordert, den freien Waren- und Dienstleistungsverkehr weiterhin sicherzustellen – selbst in Ländern wie Italien oder Spanien. Auch nach der Einführung einiger der strengsten Maßnahmen stufen beide Länder Transport, Logistik und E-Commerce als systemrelevant ein, sodass diese Branchen „wie gewohnt“ weiterarbeiten können. Supermärkte, Lebensmittelgroßhändler und Online-Apotheken verzeichnen beispiellose Umsatzsteigerungen. Ihre größten Probleme betreffen derzeit die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden, die Erfüllung der Kundennachfrage angesichts fehlender Arbeitskräfte für die Auslieferung sowie veraltete Systeme zur Verwaltung von Lagerbeständen und verfügbaren Zeitfenstern.

Der E-Commerce in Italien und Spanien erreicht sogar Rekordwerte, mit Zuwächsen von 82,3 % bzw. 55 %. In Portugal berichtet Gonçalo Lobo Xavier, Managing Director der APED (portugiesischer Verband der Einzelhandelsunternehmen), dass die Umsätze in den ersten beiden Lockdown-Wochen um 300 % gestiegen sind, derzeit jedoch um 20–30 % zurückgehen.

Anpassen oder untergehen

Im Lebensmittelhandel sorgten Bilder von leeren Regalen und langen Schlangen vor Supermärkten für Schlagzeilen. Doch das scheint schon Schnee von gestern zu sein, denn die Supermarktketten haben ihr Geschäft schnell zum Wohl der Allgemeinheit umgestellt. Sie passen ihre Abläufe nun an, um die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken, und spenden medizinisches Material an Krankenhäuser und Gesundheitszentren.

● In Belgien wurden Aktionen und Rabatte verboten, um Hamsterkäufe und Engpässe zu vermeiden und die Versorgung aller Kundinnen und Kunden sicherzustellen. Nachdem sich die Nachfrage wieder auf die üblichen Schwankungen eingependelt hatte, wurden die Beschränkungen aufgehoben.

● In Italien haben Lebensmittelhändler, stationäre und Online-Supermärkte wie Esselunga, E-Coop, Carrefour, Iperfamila, Basko und Supermercato24 neue Maßnahmen eingeführt – teilweise mit kostenloser Lieferung für Kundinnen und Kunden über 65, die ihre Einkäufe auf den E-Commerce-Plattformen erledigen. Andere Unternehmen wie Lavazza, Nestlé, Vegé oder Bofrost haben Geld an Krankenhäuser gespendet oder ihren Mitarbeitenden Prämien gezahlt.

● In Spanien haben Unternehmen wie Makro, Mercadona, Auchan Retail, Eroski oder Sanchez Romero Ressourcen an Krankenhäuser, Gesundheitszentren, Suppenküchen und Tafeln gespendet. Die DIA Group hat die Gelegenheit genutzt, auf E-Commerce umzusteigen: Sie hat einige ihrer Filialen in Dark Stores (urbane Mini-Hubs) umgewandelt und arbeitet für die Lieferungen auf der letzten Meile mit Glovo zusammen – beide Maßnahmen stärken ihren E-Commerce-Kanal.

Apropos unerwartete Partnerschaften, um die globale Lage zu meistern und Kunden wie Mitarbeitenden Alternativen zu bieten: Aldi hat fast eine halbe Million Wasserflaschen an spanische Krankenhäuser gespendet und Beschäftigte von McDonald’s eingestellt, die sonst ihren Arbeitsplatz verloren hätten.

Im Einzelhandel gehen Solidarität und Wachstum Hand in Hand

Es gibt auch Lichtblicke: Nationale und internationale Marken zeigen große Solidarität mit den vom Virus Betroffenen:

● In Frankreich haben Supermarktketten wie Carrefour für ihre Online-Kundschaft Grundversorgungspakete mit ausgewählten Produkten zusammengestellt, während Modekonzerne wie die LVMH-Gruppe Parfümfabriken auf die Herstellung von Handdesinfektionsmittel umgestellt haben.

● Im Vereinigten Königreich haben sich Unternehmen wie Microsoft, Ford und GKN mit weiteren Firmen zusammengetan, um Beatmungsgeräte für Krankenhäuser zu entwickeln und zu produzieren.

● In Italien haben große Marken und Designer der italienischen Modewelt Spenden zur Bekämpfung des Virus geleistet. Außerdem haben sie Atemschutzmasken, Krankenhauskittel, Beatmungsgeräte und weitere Produkte an Krankenhäuser gespendet. Die Modebloggerin und Designerin Chiara Ferragni startete die Online-Kampagne Go Fund me, sammelte in nur 5 Stunden 1 Million € und spendete insgesamt 3,8 Millionen, um Betten im Mailänder Krankenhaus San Raffaele zu finanzieren.

● In Spanien hat Inditex, einer der größten Modehändler der Welt, Atemschutzmasken und Kittel an Betroffene sowie an Krankenhaus- und Gesundheitspersonal gespendet. Das Unternehmen hat seine Fabriken umgestellt, um mehr Masken und Kittel für Krankenhäuser zu produzieren. Leroy Merlin arbeitet mit dem Spanischen Roten Kreuz zusammen, um Material an die neu errichteten Behelfskrankenhäuser in der IFEMA und der Fira de Barcelona zu spenden. Auch SEAT hat seine Werke umgerüstet und produziert nun automatische Beatmungsgeräte mit angepassten Scheibenwischermotoren.

Diese außergewöhnliche Situation macht der breiten Öffentlichkeit zudem deutlich, wie wichtig Transport-, Logistik- und Supply-Chain-Unternehmen sind. Diese Organisationen sind widerstandsfähig und anpassungsfähig, halten ihre Liefernetzwerke aufrecht und führen neue Maßnahmen und Prozesse ein (neue Hygiene- und Gesundheitsstandards, kontaktlose Lieferungen usw.).

Für Einzelhändler bietet sich die Chance, sich neu zu erfinden und gestärkt aus dieser Krise hervorzugehen: indem sie auf Technologie setzen, um Hauslieferungen zu überwachen, Flotten zu verwalten und die Kundenbindung langfristig zu sichern, indem sie die digitale Customer Journey und das Kundenerlebnis neu ausrichten.

Wenn Ihr Unternehmen Technologie benötigt, um Liefertouren zu optimieren, Fahrer zu verwalten und verfügbare Zeitfenster zu vergeben, nehmen Sie Kontakt mit dem Urbantz-Team auf – wir helfen Ihnen, Ihr Geschäft am Laufen zu halten. Mit unserer Plattform für Lieferservices auf der letzten Meile erhalten Sie einen klaren Überblick über Ihre täglichen Lieferungen, verwalten Kapazitäten, Flotten, Fahrer und verfügbare Zeitfenster und lösen Störungen in Echtzeit. Wir helfen Ihrem Unternehmen, die maximale Anzahl an Bestellungen rechtzeitig zu erfüllen.

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Jesús Guerrero Chacón ist Last Mile Consultant mit Schwerpunkt auf dem spanischen und italienischen Markt. Für diesen Artikel konnte er auf die Einblicke von Andrea Valencia, zuständig für den portugiesischen Markt, und Federico Cao, Account Executive für Südeuropa, zählen.

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