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5 schnelle Wege zu einem nachhaltigeren Lieferservice

Wenn Sie einen nachhaltigen Lieferservice aufbauen wollen, standen Sie in den letzten Jahren – und vor allem seit Beginn der Pandemie – vor zahlreichen Herausforderungen.

Yuval Tori, unser Chief Commercial Officer, vergleicht es mit einem „gordischen Knoten“, also einem Problem, das sich nur durch entschlossenes Handeln lösen lässt.

„Das Wachstum des E-Commerce zwingt Händler, ihre Flotte noch weiter zu diversifizieren und mehr externe Spediteure einzubinden – und kann ihre Lieferabläufe so in einen gordischen Knoten verwandeln.“

Tatsächlich prognostiziert eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF), dass sich die Nachfrage nach städtischen Lieferungen auf der letzten Meile bis 2030 durch das Wachstum des E-Commerce nahezu verdoppeln wird. In naher Zukunft dürften die E-Commerce-Umsätze in Europa allein im Jahr 2021 um bis zu 30 % steigen.

Doch das Bild ist nicht nur rosig, denn mit diesem Wachstum steigt auch der CO2-Fußabdruck. Das WEF erwartet, dass infolge der höheren Nachfrage in den 100 größten Städten der Welt in den nächsten zehn Jahren 36 % mehr Lieferfahrzeuge unterwegs sein werden – mit höheren Emissionen und einem um 30 % größeren CO2-Fußabdruck der letzten Meile.

Gleichzeitig wächst jedoch täglich der Druck auf Händler und Lieferunternehmen, „grüner“ zu werden und ihren CO2-Fußabdruck zu verringern.

Diese Themen behandeln wir:
  • Warum ist ein nachhaltiger Lieferservice so wichtig?
  • Herausforderungen beim Aufbau eines nachhaltigen Lieferservice
  • Schnelle Wege zu einem nachhaltigeren Lieferservice

Warum ist ein nachhaltiger Lieferservice so wichtig?

Für diesen wachsenden Druck auf Händler und Lieferunternehmen gibt es drei Hauptgründe.

1 – Gesetze der Regierungen und der EU.

2020 veröffentlichte die britische Regierung einen Bericht mit dem Titel „Decarbonising Transport: Setting the Challenge“. Darin wird dargelegt, wie wichtig der Güterverkehr für die britische Wirtschaft ist, aber auch festgestellt, dass der Lieferwagenverkehr auf den Straßen seit 1990 um 104 % zugenommen hat – ein Großteil davon geht auf Servicefahrzeuge und Lieferdienste auf der „letzten Meile“ zurück.

Verkehrsträger im inländischen Güterverkehr (Milliarden Tonnenkilometer)
Inländischer Güterverkehr im Vereinigten Königreich, 1998–2018
Inländischer Güterverkehr im Vereinigten Königreich, 1998–2018 – Statistik 1

(Quelle)

Auch die Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen (THG) sind nicht unbemerkt geblieben, wie die folgende Grafik zeigt.

Tatsächliche und prognostizierte Emissionen von Lieferwagen im Vereinigten Königreich, 1990–2050

(Quelle wie oben)

Seit diesem Bericht hat die britische Regierung nicht nur Ziele zur Emissionssenkung festgelegt, sondern ein neues Ziel, die Emissionen bis 2035 um 78 % zu senken, sogar gesetzlich verankert. Die Folgen dieses Gesetzes bekommen Händler und Lieferunternehmen im ganzen Land inzwischen deutlich zu spüren.

In der EU ist es nicht anders – dort wird derzeit über einen Vorschlag gerungen, die Schifffahrt in den Emissionshandel aufzunehmen. Das würde den Druck auf eine Branche erhöhen, die bislang nicht unter das EU-System der Verschmutzungsabgaben fiel, mit dem umweltfreundlicheres unternehmerisches Verhalten durchgesetzt werden soll.

Erfahren Sie in unserem neuen State-of-the-Industry-Bericht 2021-22, welche Herausforderungen und Chancen die letzte Meile für Händler und 3PL bereithält

Bericht zur Logistik auf der letzten Meile

2 – Veränderte Verbraucheranforderungen.

Im September dieses Jahres haben wir einen Bericht veröffentlicht, der den Stand der Logistikbranche auf der letzten Meile und die Auswirkungen veränderter Verbraucheranforderungen untersucht.

2020 wurden in der EU und Großbritannien erstmals mehr als 10 Milliarden Pakete an Privathaushalte zugestellt. Last Mile Experts erwartet, dass diese Zahl in weniger als fünf Jahren 20 Milliarden und bis 2029 40 Milliarden erreichen wird.

Da die Nachfrage nach schnellen und günstigen Lieferungen weiter steigt, wird die Logistik auf der letzten Meile immer komplizierter. Ein Händler, der früher vielleicht ein oder zwei Distributionszentren hatte, braucht heute mindestens fünf. Und für die Lieferung am nächsten Tag steigt diese Zahl auf bis zu 40.

Doch während die Nachfrage nach Lieferungen steigt, wächst gleichzeitig auch die Nachfrage nach nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Ein Bericht von IBM Research Insights aus dem Jahr 2020 zeigte, dass 57 % der Verbraucher bereit sind, ihr Online-Kaufverhalten zu ändern, um ihre Umweltbelastung zu verringern.

Zudem engagieren sich Verbraucher zunehmend für gesellschaftliche Anliegen und suchen gezielt nach Produkten und Marken, die ihren Werten entsprechen. Laut demselben Bericht gaben fast 8 von 10 Befragten an, dass ihnen Nachhaltigkeit wichtig ist. Und von denjenigen, für die sie sehr oder äußerst wichtig ist, würden über 70 % für nachhaltige und umweltbewusste Marken im Durchschnitt einen Aufpreis von 35 % zahlen.

3 – Unternehmen ziehen mit.

Auch innerhalb der Wirtschaft wächst der Druck, da immer mehr Unternehmen auf staatliche Vorgaben und verändertes Verbraucherverhalten reagieren. Nirgends ist das deutlicher zu sehen als bei „B Corps“, also Unternehmen, die die höchsten Standards an nachgewiesener sozialer und ökologischer Leistung, öffentlicher Transparenz und rechtlicher Verantwortung erfüllen, um Gewinn und Zweck in Einklang zu bringen. Bis vor Kurzem waren die meisten der 3.422 Unternehmen – in 71 Ländern –, die eine B Corp geworden sind, kleine und mittlere Unternehmen. Inzwischen durchläuft jedoch eine wachsende Zahl größerer Konzerne ebenfalls den Zertifizierungsprozess. Speziell im Vereinigten Königreich genügt ein Blick auf die Zahl der öffentlich als B Corps gelisteten Unternehmen, um zu sehen, wie groß das Interesse ist.

Der Aufbau eines nachhaltigen Lieferservice braucht Zeit

Nachhaltiger Lieferservice

Ziele zur Emissionssenkung festzulegen, ist schön und gut, doch der Aufbau eines nachhaltigen Lieferservice braucht Zeit.

Die Neuorganisation von Fulfillment-Centern zum Beispiel kostet Zeit und Geld. Einige Lieferunternehmen eröffnen bereits Micro-Fulfillment-Center und schaffen so Liefer-Hubs näher an den Zielorten. Auch Versandunternehmen finden kreative Wege, neue Lagerflächen zu erschließen, ohne in zusätzliche Quadratmeter investieren zu müssen.

Weiterführende Lektüre: Logistik auf der letzten Meile 2021

Und dann sind da noch die Elektrofahrzeuge. Globale multinationale Unternehmen wie DHL und IKEA haben sich bereits verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden und dafür ihre Flotte für Hauslieferungen zu elektrifizieren. Die EU und die britische Regierung arbeiten allgemein darauf hin, den Neuverkauf von Benzinfahrzeugen innerhalb der nächsten 10–15 Jahre zu verbieten und in die Infrastruktur zu investieren, die für die flächendeckende Einführung von Elektrofahrzeugen nötig ist. Alles sehr lobenswert, doch diese Maßnahmen erfordern enorme Investitionen und sind im Vorfeld extrem teuer.

Schnelle Wege zu einem nachhaltigeren Lieferservice

Unternehmen auf der ganzen Welt fragen sich: Welche schnellen Erfolge können wir umsetzen, um einen nachhaltigeren Lieferservice aufzubauen? Es muss doch Maßnahmen geben, die kein Vermögen kosten und nicht jahrzehntelangen Aufwand erfordern.

Wir haben die 5 besten Wege zusammengestellt, mit denen Händler und Lieferunternehmen einen nachhaltigeren Lieferservice schaffen können.

1 – Grüne Zeitfenster

Grüne Zeitfenster sind eine hervorragende Möglichkeit, Kunden dazu zu bewegen, ein umweltfreundlicheres Zeitfenster für ihre Lieferung zu buchen. Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass ein Zeitfenster „umweltfreundlich“ ist, doch der wichtigste ist schlicht, ob zu dieser Zeit ohnehin ein Lieferfahrzeug in der Nachbarschaft unterwegs ist.

Grüne Zeitfenster führen zu einer höheren Stoppdichte, also zu weniger Fahrzeit zwischen den Lieferungen. Das ist aber nicht nur der heilige Gral der Lieferoptimierung, sondern auch etwas, das Verbraucher aktiv wählen. Laut einer Studie der Rotterdam School of Management würden mehr als 4 von 5 Verbrauchern ein umweltfreundlicheres Lieferzeitfenster bevorzugen, wenn es ihnen beim Checkout angeboten würde.

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Intelligente Terminplanung für einen nachhaltigeren Lieferservice

2 – Fahrerschulungen

Einer der schnellsten Wege zu einem nachhaltigeren Lieferservice sind Fahrerschulungen mit Tipps und Ratschlägen, wie man nachhaltig fährt und Kraftstoff spart.

Das mag nicht besonders aufregend klingen, ist aber eine bewährte Methode für schnelle Ergebnisse. Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigte sogar, dass die allgemeine Kraftstoffeinsparung durch „Eco-Driving“ bis zu 6,3 % betrug – unabhängig von Kraftstoff- und Straßenart.

Und um mehr über „Eco-Driving“ zu erfahren, müssen Sie nicht lange suchen. Dieser Leitfaden der britischen Regierung ist ein guter Ausgangspunkt.

3 – Dark Stores

„Dark Stores“ sind nur einer der kreativen Wege, mit denen Versandunternehmen neue Lagerflächen erschließen. Ein „Dark Store“ ist schlicht eine Verkaufsstelle oder ein Distributionszentrum, das ausschließlich den Onlinehandel bedient – und ihre Zahl ist in den letzten Jahren still und leise gestiegen.

Laut einem Bericht von OneStock nutzten mehr als zwei Drittel (67 %) der Verbraucher während der Pandemie Dark-Store-Formate – überwiegend für Click & Collect oder die Hauslieferung von Onlinebestellungen. Das lag natürlich daran, dass viele Geschäfte in den Innenstädten in dieser Zeit geschlossen waren, doch die Nachfrage nach dieser Art von Geschäften dürfte hoch bleiben.

Wie der Bericht ebenfalls zeigt, möchten 84 % der britischen Verbraucher Dark Stores auch nach der Pandemie weiter nutzen; bei den 25- bis 44-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf 91 %. Das sind auch gute Nachrichten für Lieferunternehmen, denn Dark Stores helfen, fehlgeschlagene Zustellversuche zu reduzieren und die Stoppdichte zu erhöhen.

Lieferfahrer

4 – Verpackung neu denken

Es versteht sich von selbst, dass die Verpackung einen großen Teil jedes Lieferservice ausmacht. Und da ineffizientes Verpacken mehr Fahrzeuge auf der Straße bedeutet, ist die Suche nach Effizienzgewinnen beim Verpacken ein entscheidender Aspekt der Nachhaltigkeit auf der letzten Meile.

Clevere Warenunternehmen finden derzeit Wege, die Verpackungsmaße zu optimieren und so die Zahl der benötigten Paletten zu senken. Dadurch passen mehr Produkte in jedes Fahrzeug, und die Gesamtzahl der Fahrzeuge auf der Straße sinkt.

Laut Tara Milburn, Gründerin und CEO von Ethical Swag, einem zertifizierten B-Corp-Unternehmen aus Nova Scotia, Kanada, können Teams die Nachhaltigkeit weiter verbessern, indem sie darauf achten, wie der endgültige Behälter für den Transport verpackt wird. Dazu gehört, dass der Karton nicht größer als nötig ist und dass Sie sich für nachhaltige Verpackungen entschieden haben.

Apropos nachhaltige Verpackungen: Die Menge an Karton- und Plastikmüll, die durch Hauslieferungen entsteht, ist erschreckend. So verursachte Amazon laut einem Bericht von Oceana, einer gemeinnützigen Organisation, allein im Jahr 2019 465 Millionen Pfund Plastikverpackungsmüll. Der Bericht ergab jedoch auch, dass 87 % der Kunden wollen, dass Amazon und andere Handelsriesen entschiedene Schritte zur Reduzierung von Plastikverpackungen unternehmen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Verpackungsoptionen ist also eindeutig vorhanden.

5 – 3PL bzw. Logistikdienstleister

Ein weiterer schneller Weg zu einem nachhaltigeren Lieferservice ist die Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern, die bereits über umweltfreundlichere Flotten verfügen. Der Einsatz von 3PL ist sinnvoll für Unternehmen, die ihre Lieferkapazität ausbauen und gleichzeitig ihre Kosten senken möchten. Darüber hinaus bieten Logistikdienstleister erhebliche Vorteile:

  • Zugang zu flexibler Lieferkapazität
  • Nutzung umweltfreundlicherer Fahrzeuge ohne eigene Investitionen
  • Sofortiger Zugang zu spezialisierten Lieferdiensten, etwa für große und sperrige Lieferungen durch geschulte Monteure
  • Bündelung von Lieferungen
  • Größere geografische Abdeckung
  • Geringere Fixkosten
  • Höhere Servicequalität und Flexibilität

Dass 3PL einen so optimierten Service bieten können, liegt vor allem an ihrem Einsatz von Plattformen für die Lieferung auf der letzten Meile. Diese Plattformen nutzen Algorithmen, um Lieferungen auf Spediteure, Fahrer und sogar ganze Flotten zu verteilen, und sind eine hervorragende Möglichkeit, Ihre Stoppdichte zu maximieren und Ihren Lieferservice zugleich effizient zu betreiben.

Die Algorithmen sind inzwischen seit einigen Jahren im Einsatz und können anhand komplexer Anforderungen optimieren. Eine solche Anforderung ist etwa eine standortbasierte Kartierung, die entscheiden kann, ob ein Fahrradkurier für eine schnellere Fahrt durch einen Park abkürzen kann oder ob ein Elektrofahrzeug eine Umweltzone nutzen kann, zu der andere Fahrzeuge keinen Zugang haben.

Zum Abschluss…

Für Händler und Lieferdienstleister, die Verbrauchertrends und -anforderungen einen Schritt voraus sein wollen, kann die Optimierung der Lieferung auf der letzten Meile wie ein Minenfeld wirken. Kommen noch ständig wechselnde staatliche Vorschriften und Initiativen zur Emissionssenkung hinzu, wird das Minenfeld zum Schlachtfeld! Doch es gibt Hilfe – in Form kurz- und langfristiger Maßnahmen für einen nachhaltigeren Lieferservice, die Ihren Service nicht nur „für eine grünere Zukunft“ positionieren, sondern Ihre Marke auch zu einer machen, die Kunden immer wieder gern nutzen – und das sind natürlich hervorragende Nachrichten für Ihr Geschäftsergebnis.

Möchten Sie einen nachhaltigeren städtischen Lieferbetrieb aufbauen?

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